Sportwissenschaft

Sportphilosophie | Sportwissenschaft

Leitend ist ein bestimmtes Grundverständnis dessen, was Sportphilosophie ausmacht. Als Formel: Sportphilosophie ist reflexive Sportwissenschaft.

Das meint: Jede wissenschaftliche Analyse hat einen blinden Fleck, ohne den es sie gar nicht gäbe. Das ist also kein Mangel, sondern notwendig so. Einen blinden Fleck kann man nicht durch noch besseres Hinsehen beseitigen. Hier ist die Metapher streng gemäß der Optik unseres Auges zu nehmen: Unser Auge würde gar nicht mehr sehen, wenn es auch an der Stelle, an der der Sehnerv austritt, lichtempfindlich wäre. Unser Auge sieht nur deshalb, weil es an einer Stelle nicht sieht. Ein „blinder Fleck“ ist deshalb etwas ganz anderes als ein „toter Winkel“. Bei einem toten Winkel braucht man einen zusätzlichen Spiegel, um auch in diesen sonst toten Winkel hinein sehen zu können.

Eine sportphilosophische Analyse artikuliert dann diesen blinden Fleck einer jeweiligen sportwissenschaftlichen Analyse. Wenn man statt „blinder Fleck“ den Begriff „Grundannahme“ wählt, dann hat eine sportphilosophische Analyse die Form:
Falls dieser sportwissenschaftlichen Analyse die Grundannahme F1 zugrundeliegt, dann folgt daraus a, b, c. Falls aber dieser sportwissenschaftlichen Analyse die Grundannahme F2 zugrundeliegt, dann folgt daraus d, e, f.
Das meint: Sportphilosophie als reflexive Sportwissenschaft
Mehr dazu auch im Glossar-Beitrag »Reflexion

Bisher habe ich dazu folgende Beiträge veröffentlicht:

Schürmann, V. (2001): Ist Emergenz beobachtbar? In: R. Laging & R. Prohl (Hg.) (2005): Bewegungskompetenz als Bildungsdimension. Hamburg: Czwalina, 125-130.

Schürmann, V. (2002): Sportphilosophie als reflexive Sportwissenschaft. Kommentar zu Volker Caysa. In: Philokles. Zeitschrift für populäre Philosophie 2002/1, 28-31.

Fikus, M. & Schürmann, V. (2003): Bewegungskonzepte aus der Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Einführung. In: Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge 43 (2002) 1, 117-118.

Schürmann, V. (2003): ›Fachgebiet Sportphilosophie und Sportgeschichte‹. In: Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge 44 (2003) 1, 133-137.

Krug, J.; Schürmann, V. & Strauss, B. (2006): Die Sportwissenschaft Europas im Spiegel des 17. Sportwissenschaftlichen Hochschultages. In: Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge 47 (2006) 2, 107-125.

Kirste, H.-J.; Schürmann, V. & Tzschoppe, P. (2009): ›Sportwissenschaft‹. In: U. Hehl et al. (Hg.) (2009): Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009. Bd.4: Fakultäten, Instiute, Zentrale Einrichtungen. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 905-942.

Schürmann, V. (2011): Sportphilosophie. In: K. Willimczik (Hg.) (2011): Sportwissenschaft interdisziplinär. Ein wissenschaftstheoretischer Dialog. Band 4: Die sportwissenschaftlichen Teildisziplinen in ihrer Stellung zur Sportwissenschaft. Hamburg: Feldhaus, 25-55.

Schürmann, V. (2011): Sportwissenschaftlich gebildete Sportphilosophie. Ein Plädoyer. In: Philosophische Rundschau 58 (2011) 3, 203-225.

Schürmann, V. & Hossner, E.-J. (2012-1): Interdisziplinäre Sportwissenschaft: Vom Umgang mit Perspektivität. In: Spectrum der Sportwissenschaften 24 (2012) 1, 41-52.

Schürmann, V. & Hossner, E.-J. (2012-2): Unterwegs zu Hause sein. Vom Wandern über die Hügel. Antwort zu den Kommentaren zum Beitrag ›Interdisziplinäre Sportwissenschaft‹. In: Spectrum der Sportwissenschaften 24 (2012) 1, 82-89.

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