Dialektik

Diese Seite dokumentiert eigene Arbeiten zur Logik der Theoriebildung.
Weil es in der Moderne keinen unverrückbaren Grund für Theoriebildung mehr gibt, deshalb hängt alle Erkenntnis an der Art und Weise, wie diese Erkenntnis zustande gekommen ist. Situierte Theoriebildung ist daher gehalten, über sich selber Auskunft zu geben – was hier versucht werden soll.


„Was von der ganzen bisherigen Philosophie dann noch selbstständig bestehen bleibt, ist die Lehre vom Denken und seinen Gesetzen – die formelle Logik und die Dialektik. Alles andre geht auf in die positive Wissenschaft von Natur und Geschichte.“
(Engels 1882, MEGA², I.27, 605 [=MEW 19, 207; MEW 20, 24]; vgl. MEW 20, 480; MEW 21, 306)

Dialektik meint die Vierheit von

  • Methodologie: Hermeneutik / Bedeutungslogik
    [Hegel, „Göttinger Lebenslogik“ (Misch, König, Lipps), Stekeler-Weithofer]
  • Erkenntnistheorie: Parteiliche Skepsis [Sextus Empiricus, Hegel, Feuerbach, Plessner]
  • Ontologie: Prozesse (Vollzüge) und Praxis-Praktiken [Marx, Misch, Bourdieu, Leont’ev]
  • Das Fremde: Natur-Dialektik [Feuerbach, Engels, Plessner, Leont’ev, Holz]

„Hegels Dialektik besteht daher insgesamt in der Einsicht, dass wir immer nur im Bezug auf eine mehr oder minder gemeinsam vollbrachte und gemeinsam anerkannte Entwicklung von Formen des Urteilens und Handelns darüber befinden können, ob bestimmte Urteile oder Handlungen […] vernünftig oder richtig sind.“
(P. Stekeler-Weithofer, in Enzyklopädie Philosophie, Hamburg 2010, S. 403)

Dialektik ist hier ein Problemtitel.

Früher, in den Zeiten meiner politischen Sozialisation, war Dialektik ein Name für (vermeintliche) Lösungen von Problemen. Alles, was man nicht verstand, von dem aber klar war, dass es „wechselseitig aufeinander bezogen“ und eine „untrennbare Einheit“ war, galt als „dialektisches Verhältnis“. De facto war dies ein Diskussionsstopper. Nach dieser „Erklärung“ konnte man praktisch einfach so weiter machen wie bisher.

Ein Beispiel?!: Irgendwann rückte die Frauenbewegung der Arbeiterbewegung auf den Leib. Dort galt dann irgendwann das Verhältnis von Kapitalismus und Patriarchat als ein „dialektisches Verhältnis“. Praktisch-politisch änderte sich dadurch nichts. Der Kapitalismus blieb der „Hauptwiderspruch“, von dem die Frauen „besonders betroffen“ waren. Usw.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s