Hinweis 2016_1

Ich wollte mich mal wieder zurückmelden. Ist ja schon lange her, dass hier der letzte Eintrag erfolgte. Vermutlich dachten Sie längst, dass dieser Blog tot ist. In gewisser Weise stimmt das sogar. Ich merke einfach, dass ich ihn nicht regelmäßig bedienen und pflegen kann neben all dem Alltagsgeschäft. Das ist nicht schön und gefällt mir selbst nicht. Aber es ist einfach so.

Zugleich aber ist es so, dass es (für mich) nicht geht, diesen Blog einfach einschlafen zu lassen. Als Dokumentation dessen, was ich wissenschaftlich tue, ist es tot, weil es im Alltag eine unpraktikable Verdoppelung ist. Aber mindestens für mich wird es in diesen finsteren Zeiten dringlicher, mich einzumischen – als Bürger, aber auch mit den spezifischen Aspekten und Möglichkeiten, die philosophische und gesellschaftstheoretische Arbeit bietet. Was genau das heißen kann, weiß ich nicht. Das muss sich wohl, hoffentlich in gemeinsamer Suche, erst herausstellen. Ich weiß nur, dass es angesichts der lauthals besorgten Bürger viel zu leise ist, wie mein eigenes Schweigen sinnfällig belegt.

Ein paar Hinweise, was in der letzten Zeit passiert ist:

  • der Abschlussband des Projekts Mediale Moderne ist erschienen; hier die Verlagsankündigung: Bewegungskulturen im Wandel
  • eine Zusammenstellung alter Aufsätze mit neuer Einleitung zu Naturdialektik, Prozess-Ontologie, Tätigkeitstheorie – aber auch mit einem neuen Beitrag zur Unterscheidung von Sozial- und Gesellschaftstheorie – ist als Heft 13/2015 der Online-Zeitschrift Tätigkeitstheorie erschienen
  • ein Band von Claus-Artur Scheier, von dem ich mir, bei verschobener Bedeutung, den Namen geliehen habe, zu Luhmann und medialer Moderne ist angekündigt: Luhmanns Schatten
  • Carolin Emcke bekommt – völlig zu Recht, wenn ich das sagen darf – am 23. Oktober 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie hat eine schlicht ergreifende Rede zur Eröffnung der Ruhrtriennale gehalten, dokumentiert vom Deutschlandfunk in der Sendung Kulturfragen vom 14.8.2016 und dort (noch) abrufbar
  • Ulrike Guérot ist am 7.8.2016 im Deutschlandfunk in der Sendung Essay und Diskurs zu ihrem Europa-Buch interviewt worden. Sehr beeindruckend und sehr richtig
  • wir mussten und müssen immer noch diskutieren und mit anhören, was es Unsägliches zu Merkels „Wir schaffen das“ zu sagen gibt. Ich finde, dass man das sehr kurz halten kann. 1. Der Satz kam viel zu spät! Als zahllose Flüchtlinge schon im Mittelmeer ersoffen sind, aber die deutschen Grenzen noch rein waren, wurde Lampedusa auch und nicht zuletzt von Merkel alleine gelassen. Und gegen alle Versuche, gegen Seehofer, Petry, Gabriel & Konsorten jetzt wenigstens Merkel zu wählen, sei an den Umgang mit Griechenland erinnert: Merkel ist nur im Tandem mit Schäuble zu haben (vgl. das Buch von E. Balibar, Europa: Krise und Ende?, Westfälisches Dampfboot 2016). 2. Der eigentlich wichtige Satz, den Merkel gesagt hat und der großen Respekt verdient, der aber seitdem betont durch Nichtthematisierung gestraft wird, war doch: „Es wäre nicht mein Land, es wäre nicht mehr mein Deutschland, wenn wir ernsthaft Hilfe für Flüchtlinge in Frage stellen.“ Merkels „Wir schaffen das“ war Ausdruck einer Selbstverständlichkeit, nicht trostvolles Mutmachen. Die ganze Perfidie von Seehofer etc. liegt darin, Merkels „Wir schaffen das“ zu einer kleinkrämerischen Aufrechnungsübung über zumutbare Obergrenzen verkommen zu lassen
  • wir haben am 20. August 2016 noch einmal um Rio Reiser getrauert. Er hätte gerade heute noch so viel zu sagen. Immerhin haben wir noch all die alten Lieder. Zum Beispiel sang er 1988 in der Seelenbinder-Halle in Ostberlin/DDR: Der Traum ist aus; dort ist u.a. zu hören: „dieses Land ist es nicht“
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Über vschuer

Professur für Philosophie an der Deutschen Sporthochschule Köln
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